Liebe BVG, auch wir lieben dich

Ich hatte gestern Post von der BVG. Keine Werbung, sondern Schokolade als Dankeschön. Zeit endlich einen Artikel zu veröffentlichen, der hier seit zwei Wochen in der Entwurfsfassung liegt:

Was gab es für einen Aufschrei in Berlin, als die BVG-Kampagne “Weil wir dich lieben” ausgerollt wurde. Gelächter. Kopfschütteln. Gemecker. Wie immer gab es auch Gemecker. Unbegründet, wie ich finde, denn die Jungs und Mädels bei der BVG machen einen super Job! Ja, ihr habt richtig gelesen, ich bin wirklich dankbar, dass wir die BVG haben. Wer jetzt sofort an den griesgrämigen Busfahrer denkt und auf die letzte Verspätung hinweist, der möge doch erstmal weiterlesen.

Ja, es gibt Busfahrer, die morgens bereits so griesgrämig drein schauen oder rummaulen, dass man besser doch zu Fuß gegangen wäre. Ja, es gibt Verspätungen. Der Bus, den ich morgens zum nächstgelegenen S-Bahnhof nehmen könnte, kommt gerade zuverlässig zu spät. Aber habt ihr euch mal nach dem WARUM gefragt?

Zur schlechten Laune manch eines BVG-Beschäftigten: Ich finde es auch nicht lustig, bereits morgens griesgrämig begrüßt zu werden, aber 1. hat doch tatsächlich nicht jeder immer einen guten Tag und 2. bei den Fahrgästen ist die Laune der Fahrer manchmal kein Wunder. Versteht mich nicht falsch, wir hetzen morgens alle irgendwie zur Arbeit und im schlimmsten Fall bereits um 7.00h unserem Terminplan hinterher. Aber kann man Busfahrer nicht trotzdem mit einem “Guten Morgen” begrüßen, anstatt ihn auf eine verkehrsbedingte Verspätung hinzuweisen. Die Jungs und Mädels machen ihren Job so gut es geht, wenn auf der Strecke ein Baum umgestürzt oder ein Auto verunglückt ist, liegt es nicht in ihrer Macht, uns alle einfach daran vorbei zu zaubern. Zumindest ist mir nicht bekannt, dass geheime Zauberkräfte Einstellungsvoraussetzung bei der BVG sind. Versucht euch einmal vorzustellen, ihr müsstet im Schichtdienst arbeiten. Vielleicht macht ihr es sogar und wißt, welche Belastung damit einhergeht. Also fasst euch selbst einmal an die Nase – zumindest kurz – und fragt euch, wie ihr den Leuten von der BVG helfen könnt, Spaß an der Arbeit zu haben. Ich grüße meine Busfahrer, wenn ich morgens zusteige und ehrlich gesagt, treffe ich selten auf schlechte Laune. Und wenn doch, muss ich mich nur an einen Tag erinnern, an dem ich selbst nicht aus dem Bett kam und miesgelaunt zur Arbeit trottete. Das passiert. Das ist menschlich. Das gehört zum Leben.

Zu den Verspätungen: Ich kenne Verspätungen im öffentlichen Personen(nah-)verkehr. Ich habe auf der Strecke von Berlin nach Waren(Müritz) einmal zwischen acht und neun Stunden Verspätung gehabt. Ok, dafür kann die BVG in dem Fall nichts, aber der Fall ist einfach anschaulich, wenn man auf einmal mehr als das vierfache an Zeit benötigt, um ans Ziel zu kommen. Und, oh Wunder, selbst für diese Verspätung gab es einen Grund. Ich will damit sagen, die BVG-Beschäftigten, die euch begegnen, können in den wenigsten Fällen etwas für die mitgebrachten Verspätungen. Manches Mal mag es Organisationsverschulden sein, weil im Berufsverkehr einfach mehr Zeit eingeplant werden sollte, aber auch da kann man nur sagen, dass euer Busfahrer wohl eher selten seinen Fahrplan selber schreibt geschweige denn das Verkehrsaufkommen zu Stoßzeiten beeinflußen kann. Also lasst eure schlechte Laune nicht an ihm aus. Wer sich jetzt denkt, dass ich nicht weiß, wie es ist Termine oder Anschlüsse zu verpassen, der irrt. Als ich eine Freundin in Hamburg zu ihrem Geburtstag besuchen wollte und die ICE-Tickets bereits gekauft waren, fuhr in Berlin nicht. Und ich meine NICHTS. Keine Ahnung, was da los war. Sicher ist nur, dass ich den Zug nicht bekommen hätte, wenn ich mich schreiend an der Haltestelle auf den Boden geworfen oder wildfremde Menschen angemeckert hätte. Der ICE wäre gefahren, so oder so. Also hieß es einfach mal, nach Alternativen zu suchen. Ein Taxifahrer brachte mich am Ende so pünktlich zum Zug, dass ich einstieg als bereits das Signal zur Türschließung erklang. An der Stelle also auch ein Danke an die Taxifahrer in Berlin, aber vielleicht schreibe ich Ihnen später einen eigenen Liebesbrief.

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