Die Macht der kleinen Worte

NICHT. Ein kleines Wort. Wen ich mich recht an den lang zurückliegenden Deutschunterricht erinnere, in die Kategorie der Adverbien einzuordnen. Fünf Buchstaben, denen wir in den meisten Fällen kaum Beachtung schenken und die in unserem Alltag doch wahnsinnig präsent sind. “Das war nicht so toll.” “Sag dies nicht.” Die fünf Buchstaben schaffen es im Bereich des Social Media sogar einen eigenen Satz darzustellen “Das habe ich kommen sehen. NICHT!”

Ich habe überlegt, wie oft wir wohl täglich das Wort nutzen. Nicht nur um Dinge zu verneinen, sondern auch, wie der Duden sagt, um eine bedingt positive Einstellung oder Anerkennung auszudrücken. Gar nicht so übel, was dieses NICHT alles kann. Wenn ihr euch darauf konzentriert, werdet ihr sehen, dass uns das Wort immer mal wieder ganz unbewußt aus dem Mund rutscht, so dass sich die Frage stellt, was passiert, wenn man ganz bewußt versucht, darauf zu verzichten. Habt ihr das schon einmal ausprobiert?

Ich habe dem kleinen großen NICHT tatsächlich schon etwas mehr Beachtung geschenkt. Vor dem Hintergrund, dass Kinder bis ins Kleinkindalter das Wort “nicht” einfach wegfiltern und sie somit nur ein “fass die Blume nicht an” vernehmen, wenn man die einzigen Pflanzen, die einem den fehlenden grünen Daumen nicht nachtragen, vor dem Entdeckergeist des Nachwuchses retten will, habe ich ganz bewußt auf dieses kleine Wort verzichtet. Am Anfang ist es gar nicht so einfach. Warum auch immer, hatte ich es so verinnerlicht, Dinge negativ zu beschreiben. “Fass das nicht an”, “lass das nicht liegen” usw usw. Die Liste könnte ich bis ins Unendliche fortschreiben. Davon abgesehen, dass es rein logisch gar keinen Sinn macht, einem Kind, dass sich bereits freudestrahlend den roten Lippenstift gegriffen hat, zu sagen, es sollen diesen nicht anfassen, weil es das Objekt der Begierde ja bereits fest im Griff hat, kommt inhaltlich beim Kind gerade das an, was wir vermeiden wollten. Also sagte ich dem Kind fortan “leg den Stift wieder hin” oder “lass dies oder das bitte los”. Mit der Zeit bekam ich immer mehr Übung und konnte das Wort “nicht” immer häufiger weglassen bzw. verwendete es einfach von selbst nicht mehr so häufig. Ja, es bedurfte einiger Konzentration und Disziplin gerade in stressigen oder heiklen Situationen noch auf seine Wortwahl zu achten, weil ein “fass das Messer nicht an” einem beim gemeinsamen Kochen schnell über die Lippen rutschen kann. Aber irgendwann hatte ich meine alternativen Sätze einfach verinnerlicht und dachte gar nicht mehr so viel darüber nach. Spannend war für mich, dass nicht nur das Kind scheinbar besser hörte, sondern auch bei mir eine Veränderung eintrat. Je größer der Anteil der positiven Formulierungen, die das Wort “nicht” ersetzen, wurde, desto besser fühlte ich mich. Wahrscheinlich gibt es bereits haufenweise Studien, die belegen, dass positive Gedanken sich auch positiv auf die Lebenseinstellung, die Laune und das Wohlbefinden auswirken, dass ein kleines Wort jedoch bereits so viel bewirken kann, hätte ich nicht gedacht (da haben wir die fünf Buchstaben wieder). Also arbeite ich weiter daran, denn gerade in letzter Zeit stolpere ich wieder häufiger über ein “nicht”. Das Gute an diesem “Rückfall” ist, dass es mir im Gegensatz zu früher sofort auffällt und dass ich weiß, wie ich es vermeiden kann.

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